Wortmarke des Ract!Festivals

Awareness

Liebe Feiernde!

Awareness-Armbinde (Ract! 2017)Dieses Jahr haben wir wieder ein Awareness-Team auf dem Ract!festival.

Alle Mitglieder des Awareness-Teams sind durch Armbinden gekennzeichnet und können jederzeit von allen Besucher*innen angesprochen werden! Das Team versucht dafür zu sorgen, dass sich bei uns jede*r auf dem Gelände wohler und sicherer fühlen kann.

Du kannst uns direkt ansprechen, wenn du übergriffiges Verhalten erlebst oder beobachtest. Zudem kannst du dich auch an die Leute beim Awareness-Zelt (direkt beim Infostand) wenden. Unter übergriffigem Verhalten verstehen wir z.B. unerwünschte Berührungen, penetrantes Ansprechen, dumme Anmachen, diskriminierendes Verhalten und alles was dir sonst noch unangenehm ist bzw. deine persönlichen Grenzen überschreitet!

Wenn ihr uns direkt ansprecht, falls euch unwohl ist oder ihr übergriffiges Verhalten beobachtet, können wir euch natürlich am Besten helfen. Daher unser Angebot an euch: meldet euch bei uns, alleine, zusammen mit Freund*innen oder schickt eine Person für euch, falls ihr etwas erlebt habt, das euch belastet.

Auch sonst habt ihr natürlich immer die Möglichkeit:

  • selbst zu reagieren, indem ihr auf Personen zugeht, denen es nicht gut geht

  • euch Unterstützung bei Freund*innen zu holen

  • mit den Ordner*innen zu reden

Bei akuten Gewaltsituationen wendet euch bitte direkt an die Security. Gerne sind wir aber nach bzw. während solchen Konflikten für euch da, falls ihr Gesprächsbedarf habt, Unterstützung sucht oder einen Rückzugsort braucht.

Natürlich ist es in solchen Momenten oft leichter gesagt als getan, sich aktiv Hilfe zu holen. Unter anderem folgende Gedanken und Gefühle machen es vielleicht für dich schwerer dich  in unschönen Momenten zu wehren, zu Wort zu melden oder nach Unterstützung zu fragen:

"Eigentlich ist das alles zu subtil, um es anzusprechen…"
Sind es Blicke? Ist es die Konstellation, in der viele Männer* im Kreis um die Tanzfläche stehen? Ist es die mehrmalige Einladung auf ein Getränk, sind es zufällige Berührungen, fasst dein*e Beziehungspartner*in dir permanent an den Po? 
Viele ungewollte Dinge, die von außen scheinbar als "harmlos" gelten, können dafür sorgen, dass es dir schlecht geht, du keinen Spaß mehr auf der Veranstaltung hast oder dich nicht mehr wohlfühlst. Lass dir von keiner Person sagen, dass eine Sache zu klein oder unwichtig ist, um sie zur Sprache zu bringen. Wie du dich fühlst, weißt du am besten!

"Ich will jetzt aber auch kein Drama draus machen… ich meine, so schlimm war das jetzt eigentlich auch nicht…"
Was für dich schlimm ist, entscheidest allein du und niemand sonst. Alle Bemerkungen oder Handlungen, die auf dein Geschlecht, deine sexuelle Orientierung, deine Ausdrucksweise, deine Klamotten, deine Sprache, deine Herkunft oder irgendeine andere persönliche Eigenschaft abzielen sind immer relevant, wenn es dir damit schlecht geht.Ganz egal wie "harmlos" oder "lustig" das Ganze vielleicht gemeint war oder ob dir jemand ein "Kompliment" machen wollte - du bestimmst wann es dir zu viel ist! Du kannst zu uns kommen und wir beachten deine Wünsche, wie mit der Situation so umgegangen werden soll. Wir finden es dabei wichtig, auch klar zu benennen, dass manche Formen von Diskrimierung gesellschaftlich bedingt und gefestigt sind und wollen diesem Zustand etwas entgegensetzen: Die Abwertung und Herabwürdigung von Personen, die - verkürzt gesagt - nicht männlich, weiß und heterosexuell sind, hat in vielen Bereichen System.

"Und wenn die Person, von der der Übergriff ausgeht, gar nicht versteht was das Problem ist? Was soll er*sie machen, wenn er*sie deswegen Konsequenzen tragen muss? Bin ich dann schuld?"
Generell gilt: Es geht hier um deine Bedürfnisse, nicht um die der Person, von der die Übergriffigkeit ausgeht. Du musst dich niemals schlecht fühlen, wenn nach so einer Situation jemand zurechtgewiesen oder des Geländes verwiesen wird. Für genau solche Personen gibt es eine Emailadresse, an die sie sich im Nachheinein wenden können um den Vorfall zu besprechen - vorausgesetzt es besteht bei ihnen das Interesse dazu. Menschen, die verstehen wollen, warum sie einen anderen Menschen verletzt haben, werden es auch herausfinden. Menschen, die es nicht verstehen wollen, möchten wir hier nicht haben.

"Ich will nicht irgendwelche blöden Stereotype bestätigen…"
Hast du Angst, dass deine Aussagen Diskriminierung befeuern könnten und dass sich Umstehende in ihren Vorurteilen bestätigt sehen? Das verstehen wir:  Oft wird eine Situation, in der es einzig um persönliche Grenzen geht, von außen ideologisch aufgeladen und instrumentalisiert. Da kommen dann auf einmal Kommentare wie "Wusste ich ja schon immer, dass DIE da so drauf sind." Das Verhalten einer konkreten Person anzusprechen und es klar als unerwünscht zu labeln, wirkt aber der Stigmatisierung von Gruppen entgegen. Dann ist nämlich klar, dass bestimmte Denkmuster nicht klar gehen, bestimmtes Verhalten hier ganz einfach nichts zu suchen hat - und alle Menschen hier willkommen sind, die sich an die Ansagen halten, in welcher Atmosphäre wir hier gemeinsam feiern wollen. 

"Ich bin jetzt nicht direkt betroffen…"
Unsere Aufgabe besteht darin, das Ract! zu einem Ort zu machen, an dem sich jede*r darauf verlassen kann, dass bestimmte Standards gelten und bestimmte Dinge nicht passieren.  An dem jede*r sich sicherer fühlt, weil sie*er auf Unterstützung durch andere vertrauen kann. Solche Räume entstehen nicht von selbst, sie werden erkämpft. Dafür ist es nötig, dass wir sensibel füreinander sind und intervenieren, wenn es zu fiesen Momenten kommt. Bevor sich die*der erste über eine oder mehrere Personen beschwert, sind zehn andere schon gegangen, weil sie keinen Spaß mehr am Feiern hatten - Awareness zu Ende heißt Party zu Ende.

Bitte hilf uns dabei, das Ract! zu einem Ort zu machen, in dem wir uns gegenseitig so wenig wie möglich einschränken, in dem alle Menschen sich so bewegen können, wie sie wollen, und sich wohl dabei fühlen. Vielen Dank für deinen Mut. Passt auf einander auf!

Das Awareness-Team

 

Awareness-Telefon:  +49 (0)152 1449 6163

E-Mail: [email protected] (PGP Key auf Anfrage oder hier, als PDF-Datei oder als asc-Datei.)

PGP-Key Fingerprint: 6FFC 7BC5 9961 4A8D ED42 7CC6 5E7E 8551 E0A1 09D7

(Verschlüsseln? Was ist das? Hier eine Anleitung für PGP-Emailverschlüsselung)

 

Weitere Infos rund um das Thema Awareness und Konsens gibt's hier:

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